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Cuxhavener Wattmusikanten meets MareMusikFestival
BERTA, die Küstenkuh, und GUSTAV, das Deichschaf, waren beim Singen auf dem Deich schon lange ein eingespieltes Team. FIETE, der Seehund, hatte sich den beiden nach anfänglichem Zögern angeschlossen und schnell seine Sorgen über seine mangelnden Gesangskünste über Bord geworfen. Angezogen von dem schaurig schönen Gesang der drei, gesellte sich bald eine freche Möwe zu ihnen und damit war das Quartett komplett.
EMMA, die Sturmmöwe, war von den vieren bisher am weitesten rumgekommen und deswegen war sie es, die den Vorschlag machte, nach England in den legendären Marquee Club zu ziehen, wo schon die Rolling Stones ihren ersten Auftritt hatten.
Natürlich wusste keiner der vier, wo genau London lag. Deswegen marschierten sie einfach drauf los in die Richtung, in der sie ihr Ziel vermuteten – und das musste ja schließlich im Norden jenseits des Meeres sein.
Nachdem sie bereits eine sehr lange Zeit über Schlick, Watt und durch Priele gewandert waren, entdeckten sie endlich Land. Das musste es sein, das Land in dem sie berühmt werden würden! Sie gingen also an Land und fragten die Einheimischen, wo der berühmte Musikclub der Insel sei.
Um gleich zu Beginn ihrer Karriere einen guten Eindruck zu hinterlassen, beschlossen sie, direkt vor der Tür des Clubs ein erstes Ständchen darzubieten. Damit man sie auch von Weitem schon gut sehen und vor allem hören konnte, stieg GUSTAV auf BERTAs Rücken, FIETE auf GUSTAVs Rücken und obendrauf platzierte sich EMMA. Aber noch bevor sie ihr Lied zu Ende gesungen hatten, flog ein erster Schuh, dann ein zweiter und ein dritter. Es kamen immer mehr aufgebrachte Menschen angerannt, die laut in einer Sprache fluchten, die nicht ganz Deutsch, aber auch nicht Englisch zu sein schien. Dann flog die Tür des Clubs, über der das Wort „ANKER“ prangte, auf und ein imposanter Mann trat heraus. Er stellte sich als Bürgermeister der Insel vor und forderte die vier Freunde auf, selbige unverzüglich wieder zu verlassen und vor allem mit dem unsäglichen Krach aufzuhören.
Den vieren blieb nichts anderes übrig, als der Aufforderung des aufgebrachten Mannes nachzukommen. Sie gingen allerdings davon aus, dass die Menschen auf der Insel einfach noch nicht bereit waren für ihre wunderbaren Sangeskünste. Und so beschlossen sie, so lange bei Ebbe im Watt zwischen Cuxhaven und England, das natürlich in Wirklichkeit Neuwerk war, zu singen, bis man sie entdeckte.
Es vergingen Tag um Tag und die vier sangen ohne Unterlass bis die Flut kam oder es dunkel wurde.
An einem sonnigen Tag im Mai belauschte EMMA zwei Damen, die sich beim Wattwandern über ein spektakuläres musikalisches Event direkt an der Nordseeküste unterhielten. Aufgeregt berichtete EMMA ihren Freunden, was sie gerade gehört hatte. Sie waren sich einig, dass sie sich das nicht entgehen lassen konnten.
So schnell sie konnten machten sie sich auf den Weg nach Cuxhaven und nur wenig später klopften sie an die Einganstür der Kugelbakehalle. Der Kurdirektor selbst öffnete ihnen und staunte nicht schlecht, als das Quartett vor ihm stand und sich hochoffiziell für eine Teilnahme am MareMusikFestaval bewarb. „Na, dann zeigt mir mal, was ihr könnt!“, forderte er die vier Sänger auf und hielt ihnen die Noten des MareMusik hin. BERTA, die einzige, die zumindest schon einmal Noten gesehen hatte, begann mit ihren Hufen den Takt zu stampfen. GUSTAV stimmte so gut es ihm gelang mit seinem wenig melodischem Blöken ein. FIETE schlug Vorder- und Hinterflossen in einem Rhythmus aneiandser, der zwar wenig mit den Noten zu tun hatte, der ihm aber gerade in den Sinn kam. Dazu machte er merkwürdig heulende und grunzende Laute. EMMA, die noch nie in ihrem Leben eine Note gesehen hatte, trällerte von hoch oben einfach ihr Lieblingslied herab.
Dem Kurdirektor kamen die Tränen vor Lachen. „Nicht schön, aber selten!“, prustete er. „Eine so eigenwillige, dafür aber norddeutsch charmante Version unseres Eröffnungsliedes hatten wir noch nie im Programm.“ Mit diesen Worten engagierte er das tierische Ensemble.
So kam es, dass BERTA, die Küstenkuh, GUSTAV, das Deichschaf, FIETE, der Seehund, und EMMA, die Sturmmöwe, doch noch weit über die Grenzen Cuxhavens berühmt wurden. Sie konnten sich vor Engagement kaum retten und gaben Gastspiele in ganz Deutschland. Aber sie kehrten immer wieder an ihren Heimatstrand zurück, an dem ihre musikalische Künstlerkarriere begann..
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kannst Du die vier Sänger noch heute vom Deich aus hören und sie bei klarer Sicht sogar vor der Silhouette von Neuwerk sehen.
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