
DE TWEE, DE SIK LEEV HEBBT
In Anlehnung an eine wahre Begebenheit:
Schon lange hatte sich Catalina, die kleine mallorquinische Möwe, um den Möwerich Miquel bemüht. Sie hatte sich für ihn mit den allerfeinsten Federn geschmückt, ihm ihre schönsten Lieder vorgetragen und war tagelang nicht von seiner Seite gewichen. Der schöne, aber leider auch sehr arrogante Miquel warf Catalina nur verächtliche Blicke zu und trippelte stolz an ihr vorbei.
Catalinas Herz wurde von Tag zu Tag schwerer und als es zu zerbrechen drohte, schwang sie sich traurig in die Lüfte und flog ziellos und unglücklich einer ungewissen Zukunft entgegen. Erst nach sehr, sehr langer Zeit, als ihre Kräfte bedenklich schwanden, hielt sie nach einem geeigneten Plätzchen zum Landen Ausschau.
Endlich entdeckte sie unter sich einen langen Sandstrand, ähnlich dem in ihrer Heimat. Als sie sich erschöpft zwischen den Dünen niederließ, bemerkte sie den fremdartigen Geruch in der Luft. Es roch rauher und irgendwie salzig, war deutlich kälter und der Wind blies kalt und scharf. Außerdem fehlte dem Strand, so wie sie ihn kannte, etwas Wesentliches: das Wasser! Anstelle des Wassers gab es hier nur braunen Schlick, auf dem sie jedoch schnell viele Leckereien entdeckte. Ausgehungert wie sie war, machte sie sich mit großem Appetit über die zahlreichen Krebstiere, Muscheln und Würmchen her.
Erst nachdem sie ausgiebig geschlemmt hatte, bemerkte sie die neugierigen Blicke. Zahlreiche Artgenossen hatten sich um sie gescharrt und betrachteten sie – teils mit Neugier, teils mit Argwohn und Ablehnung. Catalina wurde mit einem Schlag schmerzlich bewusst, wie einsam und allein sie in diesem fremden Land war, von dem sie nicht einmal genau wusste, wo es sich befand. Ihr stiegen heiße Tränen in ihre kleinen Möwenaugen und sie weinte, kreischte und schrie, wie sie es noch nie getan hatte.
Als die die Tränen versiegt waren, waren alle anderen Möwen verschwunden. Alle, bis auf einen. Als dieser merkte, dass sie ihn ansah, tapste Hinnerk, ein Prachtkerl von einem Möwerich, vorsichtig auf Catalina zu. Nachdem die beiden sich eine ganze Weile einfach nur in ihre Möwenaugen geschaut hatten, brachte Hinnerk ein ein freundliches und einladendes Moin hervor. Mehr brauchte es nicht. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Catalina blieb bei Hinnerk an der Nordsee und wurde, nachdem sie sich an das rauhe norddeutsche Wetter gewöhnt hatte, eine richtige norddüütsche Möwendeern.
